APPROBIERTE LISTE
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Beirat für historische Fahrzeuge

Junge Menschen, Newbies & historische Fahrzeuge

Die Jugendlichen und Junggebliebenen von heute – sagen wir kurz, die SMART-Generation – sind, je nach Auto-Affinität, im Regelfall mit Fahrzeugen aufgewachsen, welche einen hohen Anteil elektrischer und elektronischer Helferleins aufweisen und mit einer Reihe von Assistenzsystemen glänzen. Also Fahrzeuge, die den 1990ern oder späteren Jahrgängen entstammen.
Deren Betrieb ist denkbar simpel: Einsteigen, Knopf drücken, wegfahren, den Rest macht mehr oder weniger das Auto. Das ist bequem und man muss sich über das Fahren an sich und dessen Physik nicht viele Gedanken machen. Das pure Fahrerlebnis, die damit verbundene Emotion bleibt dabei allerdings auf der Strecke und man bewegt sich mit einem mainstreamigen Einheitsvehikel im gleichgeschalteten Umfeld von A nach B.

Verständlich, dass Einige nach dem besonderen Kick suchen und ihren Wunsch nach Individualität – wenigstens zeitweise – ausleben wollen. Dafür eignet sich ein historisches Fahrzeug ganz ausge-zeichnet. Die Rede ist hier ausdrücklich nicht von irgendwelchen „Posern“, die mit hochgezüchteten, oft illegalen Angeber-Fahrzeugen die Straßen verunsichern, sondern von Menschen, die ernsthaftes Interesse an der Beschäftigung mit der Technik und den Formen der Vergangenheit haben.

Was macht den Reiz des Oldtimerfahrens aus?
• Erfüllung eines Wunschtraums
• Coolness-Faktor
• Echte Individualität im Mainstream
• Emotion, bestenfalls Entschleunigung
• Technik-pur-Erlebnis, intensives Fahrerlebnis
• Beschäftigung mit alter Technik
• Erhaltung von Kulturgut
• Realwertanlage
• Interesse & Einbindung in die Szene

Lassen wir die technischen Herausforderungen zur Erhaltung eines historischen Fahrzeuges beiseite, das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, daher nur soviel: Diese Fahrzeuge strotzen vor oft komplexer Analog-Technik, sind also nicht SMART und können im Störungsfalle nicht wieder durch ein einfaches RESET zum Leben erweckt werden.
Davon abgesehen, erfordert der Betrieb eines solchen Fahrzeuges spezifische Kenntnisse und Skills, die in den Fahrschulen kaum mehr vermittelt werden. Und diese sollte man unbedingt beherrschen, um im omnipräsenten Verkehrschaos sicher und unbehelligt mitzumischen. Wer das kann, darf darauf bauen, von allen Seiten mit freundlichem Lächeln und „Thumbs up’s“ belohnt zu werden.

Ganz konkret: historische Fahrzeuge (zumindest bis ca Baujahr 1985) weisen praktisch keinerlei Fahrassistenzsysteme (ABS, ESP, ASR, ESD, Lenkhilfen, Notbremsassistenten, Spurhaltesysteme, Einparkhilfen, Einschlafwarner, etc) auf, sondern bewegen sich ausschließlich so, wie der Fahrer es vorgibt und die Physik zulässt. Genau hier liegt der Knackpunkt: die Physik ist immer stärker, auch wenn manche heutige Autowerbung uns das Gegenteil einreden will.

In vielerlei Hinsicht ist das korrekte Fahren mit historischen Fahrzeugen völlig konträr zu dem, was in Fahrtechniktrainings für moderne Automobile richtigerweise vermittelt wird. Natürlich geht es hier vorrangig um das Beherrschen von Grenz- und Notsituationen, die allerdings im Verkehr jederzeit und unvermittelt auftreten können. Hier kann die KORREKTE Reaktion in vielen Fällen den Abflug oder Crash vermeiden. Aber auch das normale Cruisen gestaltet sich mit Oldtimern oft anders als erwartet. Es ist daher immens wichtig, die dem jeweiligen Fahrzeug angemessene Bedienung und Fahrweise von Profis vermittelt zu bekommen. Wer’s kann, wird die volle Freude am Fahren erleben.

Der ÖMVV bietet Einsteigern in die Szene geförderte Fahrtechniktrainings mit den eigenen Fahrzeugen an, damit die Freude am historischen Fahren möglichst nicht in Frustration, am nächsten Baum, im Graben oder gar in einem anderen Auto endet.

Kommentar Werner Steurer

Anmeldung und Info: www.oemvv.at